Der Niedergang des Bundesliga-Dinos HSV

„Immer Erste Liga …“ – wie lange gilt das noch für den HSV?

hamburger-sv-174209_640Wer beim letzten Nordderby das Glück hatte, im HSV-Block sein zu dürfen, dem mag der Fangesang noch lange in den Ohren geklingelt haben: „Immer Erste Liga, sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger – HSV!“. Eins bleibt festzuhalten: Sollte dieser Slogan ab der nächsten Saison nicht mehr in den Stadien der Ersten Liga erklingen, haben die Fans des Traditionsvereins daran keine, allemal die geringste Schuld. Beim derzeitigen Tabellenletzten läuft seit einigen Jahren vieles schief und die akute Abstiegsgefahr ist für nicht wenige die gerechte Quittung für Missmanagement und eine katastrophale Personalpolitik. Das Letztere lässt sich nicht nur an den Spielern festmachen, sondern plakativer noch an den Trainern.

Mehr Glück als Verstand in der Vorsaison

In der Vorsaison mit mehr Glück als Können die Klasse gehalten – wer die Relegationsspiele des HSV gegen Greuther-Fürth in Erinnerung hat, weiß, was damit gemeint ist. Nur dem Unvermögen der Fürther ist es zu verschulden, dass der HSV nicht bereits in dieser Saison gegen Braunschweig, Darmstadt, Aue und St. Pauli kickte. Trainer Mirko Slomka durfte dann noch drei Spieltage in der neuen Saison sein Glück versuchen. Der Verein musste sich schon zu diesem Zeitpunkt vorwerfen lassen, warum er die Trainerfrage nicht zur Vorbereitung der neuen Saison gelöst hat.

Auf Slomka folgt Joe Zinnbauer

Auf Slomka folgte mit Joe Zinnbauer eine faustdicke Überraschung und ein gewaltiges Risiko. Ein Wagnis, das auch positiv ausgehen kann, wie das Beispiel nur 100 km weiter westlich zeigte. Werder Bremen und Viktor Skripnik haben bewiesen, dass auch Neulinge an der Seitenlinie erfolgreich sein können. Zinnbauer – wie Skripnik zuvor U23 Trainer – durfte sich 23 Spieltage lang als Cheftrainer versuchen. Achtungserfolgen (0:0 gegen Bayern München, 1:0 gegen Dortmund und Leverkusen) standen elf zum Teil deftige Niederlagen gegenüber. Was aber schmerzlich fehlte, war ein Erfolgskonzept. Zinnbauer versteifte sich – durchaus verständlich – auf die Defensive, vernachlässigte die Offensive aber vollkommen. Am 26. Spieltag war dann Schluss mit dem Experiment Zinnbauer.

Letzter Hoffnungsträger Bruno Labbadia

Acht Spieltage vor Schluss – die letzte Gelegenheit, mit einem Trainerwechsel einen Akzent zu setzen. Doch die Verantwortlichen beim HSV hatten nichts gelernt und benannten mit Peter Knäbel einen weiteren vereinsinternen Trainerneuling. Zwei Spiele später – mit zwei Niederlagen, sechs Gegentoren, keinem eigenen Treffer und Streit unter den Spieler als Ergebnis – war das Kapitel Knäbel schnell beendet. Mit Bruno Labbadia hat man nun endlich einen erfahrenen Trainer gewonnen – doch sehr wahrscheinlich war diese Maßnahme zu spät, um noch aus dem Abstiegskarussell abspringen zu können. Hoffnung machen einem allein die treuen HSV-Fans, die ihre Mannschaft auch nach der Niederlage beim Nordderby in Bremen minutenlang applaudierten und bis hinunter zu Spielfeld sangen: „Immer Erste Liga …“