Ein Anti-Homosexuellen-Gesetz im Profisport

Hat das noch etwas mit Menschenrechten zu tun?

Das Thema Homosexualität im Sport wurde schon seit je her heiß diskutiert. Doch die jüngsten Ereignisse sorgen für neue Kontroversen. Das Hin und Her um das Anti-Homosexuellen-Gesetz während der Olympischen Winterspiele in Sotschi hat Demonstranten auf die Straße gelockt und auch den IOC und die Fifa zum Nachdenken gezwungen.

Seit dem 30. Juni existiert ein, von Präsident Putin unterzeichnetes Gesetz, welches besagt, dass positive Meinungsäußerungen über Homosexuelle verboten seien. Selbst Händchenhalten könne für Schwule und Lesben im Gefängnis enden. Dieses Gesetz lässt auch Kritik seitens der Sportler laut werden. Der Läufer Nick Symmonds widmet seine frisch gewonnene Silbermedaille im 800-Meter-Lauf seinen schwulen und lesbischen Freunden und ist damit der erste Athlet, der sich wagt die homosexuellenfeindliche Haltung Russlands zu kritisieren. Ein mutiger Schritt – Denn diese Äußerung könnte für Symmonds eine Ausweisung oder sogar das Gefängnis bedeuten.

Die Haltungen und Meinungen bezüglich homosexueller Sportler gehen auseinander

Je nach Land und Sportart wird mit dem Thema Homosexualität unterschiedlich umgegangen. Eine neue Berliner Ausstellung über homosexuelle Sportler zeigt hoch erfolgreiche Sportler aus unterschiedlichen Sportarten mit einer Gemeinsamkeit: Alle haben sich während oder nach ihrer Karriere zur Homosexualität geoutet. In Deutschland scheint eine solche Ausstellung mehr auf Interesse als auf Kritik zu stoßen. In Russland wäre eine solche Ausstellung undenkbar. Doch betrachtet man Ausschnitte der Ausstellung fallen Sportarten, wie Eiskunstlauf, Radsport oder Tennis ins Auge. Im Fußball bleibt Homosexualität nach wie vor ein Tabuthema.

Homosexualität im deutschen Fußball

Homosexueller Fußballer

Homosexualtiät im Profi-Fußball

Spätestens seit der Schiedsrichteraffäre um Manfred Amerell wurde klar, dass das Thema Homosexualität etwas ist, womit sich der deutsche Fußball scheinbar nicht anfreunden kann. Die Boulevardpresse stürzte sich auf intime Details und der Deutsche Fußballbund tat wenig, um dagegenzuwirken. Auch die 2008 getätigte Äußerung von Christoph Daum spricht Bände: „Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen.“

Theoretisch 14 schwule deutsche Fußballprofis

Dass auch im Profifußball Homosexuelle gibt, sollte doch, rein logisch betrachtet, klar sein. Laut einer Statistik der Uni Magdeburg sind 4% aller Männer in Deutschland schwul. Bei 18 Vereinen in der Bundesliga in denen ein Kader aus mindestens 20 Spielern besteht, müssten theoretisch mindestens 14 Spieler homosexuell sein. Doch zugeben will und kann es bislang keiner. Teilweise werden Scheinehen und andere Heimlichkeiten vermutet.

In einem anonymen Interview erzählte ein Profifußballer kürzlich von seinem Leben als Homosexueller, der sich nicht outen kann. Sein Leben sei ein einziges Versteckspiel und sei nicht mehr sicher, sobald seine Sexualität an die Öffentlichkeit käme. Zu öffentlichen Treffen käme er in weiblicher Begleitung von guten Freundinnen um den Schein als Heterosexueller aufrecht zu erhalten. Der ständige Druck und die Heimlichkeiten führten sogar dazu, dass seine Beziehung zerbrach.

Fest steht, dass man als Homosexueller im Fußball einen hohen Preis zahlt. Man führt entweder ein Leben, welches aus einem einzigen Versteckspiel besteht oder man outet sich und muss damit rechnen, dass es das Ende der Karriere bedeutet – eine traurige Ausgangssituation.

Doch egal wie sich die Einstellung zu diesem Thema in Zukunft ändern wird, die Fifa sollte dafür sorgen, dass es Mindestanforderungen an den Menschendrechtstandart der Gastgeberländer von Länderspielen gibt. Eine Gesetzgebung, wie sie in Russland vorherrscht, verletzt die Rechte von Sportlern, Zuschauern, Kampfrichtern und Medien. Ob eine Fußball-WM 2018 in Russland stattfinden sollte, ist demnach fraglich.

Quellen:spiegel.de, faz.net, zeit.de

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