WM 2014 ein Desaster für Spanien – Abdankung eines Weltmeisters

Spanien geht mit wehenden Fahnen unter

Es hatte etwas Symbolisches an sich, dass der spanische König an dem Tag abdankte, an dem der Welt- und Europameister nach nur zwei Spielen aus dem WM-Turnier ausschied. Bei aller Anerkennung für die Leistungen der Mannschaften von den Niederlanden und Chile, nicht wenige dürften eine große Portion Trauer verspürt haben, als Xavi, Iniesta und Co. mit hängenden Köpfen und ein wenig Ratlosigkeit den heiligen Rasen von Maracana verließen.

Die Gründe für das Ausscheiden

So schockierend das Ausscheiden des Welt- und Europameisters mit zwei Niederlagen in zwei Spielen und einer vernichtenden Tordifferenz von eins zu sieben auch war, war es nicht vorhersehbar? Oder anders gefragt: Konnten die spanischen Verantwortlichen allen Ernstes annehmen, eine Spielweise – so genial sie auch war – würde in dem schnelllebigen Fußballgeschäft ewig Erfolg haben? Vielmehr war es wohl nur dem außergewöhnlichen Können dieser spanischen Generation zu verdanken, dass das Kurzpassspiel über drei große Turniere erfolgreich war.

Die Gegner fanden Taktiken um Spanien zu besiegen

Natürlich sind Xabi, Iniesta, Iker Casillas, David Villa oder Xabi Alonso älter geworden. Aber der Hauptgrund für das frühe Ausscheiden Spaniens war, dass die anderen Mannschaften Mittel gefunden haben, wie man die Spielweise der Spanier stören kann. Zugleich entwickelte man Taktiken, wie man sie besiegen kann. Hinzu kam, dass Spanien nicht auf die Spielweise der Gegner reagieren konnte – sie versuchten es bis zur Erschöpfung mit dem einzigen System, das sie kannten und können.

Den Nachwuchs aus den Augen verloren

Trainer Vicente del Bosque muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Spielweise Spaniens nicht weiterentwickelt zu haben. Zudem hat sich der Kader der Mannschaft kaum verändert. Während der Qualifikation zur WM-Endrunde 2014 setzte del Bosque nur zwei Neulinge ein. In dem Gefühl des Erfolges schien man in Spanien die Heranführung des Nachwuchses vergessen zu haben.

Die Konsequenzen des Desasters von Brasilien

Das frühe Ausscheiden des Weltmeisters hat gezeigt, dass die Spielweise Spaniens, mit der man die EM-Titel 2008 und 2012 holte und Weltmeister 2010 wurde, in Zukunft nicht mehr erfolgreich sein wird. Am fußballerischen Können der Spieler hat es nicht gelegen, auch wenn der eine oder andere langsamer geworden ist. Spanien ist eine Nation, die aus einem schier unerschöpflichen Reservoir guter und junger Fußballspieler schöpfen kann. Deshalb werden die Südeuropäer schnell wieder zu einem großen und erfolgreichen Fußballland werden, wenn man die Spielweise modernisiert, Spielvarianten und Tempo und Kampf integrieren kann. Ob Trainer Vicente del Bosque dies – auch angesichts seines fortgeschrittenen Alters – umsetzen kann, ist bei aller Ehrerbietung sehr fraglich.